Interview mit Dr. Micha Bahr, Facharzt für Kinder­chirurgie und Manuelle Medizin

Kinderfüße sind nicht nur die kleine Version von „erwachsenen“ Füßen, sie sind viel anspruchs­voller. Aus diesem Grund hat LOWA einen speziellen Leisten für Kinder, der mehr Platz im Zehen­bereich bietet – Platz, den Kinderfüße für die gesunde Entwicklung benötigen. Dies liegt daran, dass bei Kindern das Knochen­gewebe noch nicht komplett ausge­bildet ist. Hinzu kommt, dass die Bänder deutlich elas­tischer sind und das Schmerz­emp­finden weniger gut ausge­bildet ist.

Etwa 25 %

der mensch­lichen Knochen befindet sich in den Füßen. Bei Kindern ist das Knochen­gewebe aber noch nicht komplett ausge­bildet. Hinzu kommt, dass die Bänder deutlich elas­tischer sind und das Schmerz­emp­finden weniger gut ausge­bildet ist.

Zusammen mit dem Direktor der Kinder- und Jugend­chirurgie des Klinikums Ingolstadt, Dr. Micha Bahr hat LOWA die Schuh­modelle LEDRO GTX MID JUNIOR und LEDRO GTX LO JUNIOR entwickelt.

  • Imagefoto mit dem LEDRO GTX MID JUNIOR, LOWA Kids Kampagne 2019

Dr. Micha Bahr,

in den letzten Jahren haben Sie gemeinsam mit LOWA den Kinderschuh LEDRO GTX MID JUNIOR entwickelt. Waren Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Dr. Micha Bahr: Ich war mehr als zufrieden mit dem Ergebnis, denn der Schuh erfüllt alle von uns gefor­derten Kriterien. Diese umfassten zum Beispiel ein opti­miertes Abroll­ver­halten, einen perfekten Knöchelsitz und Knöchelhalt, viel Spielraum für die Zehen und nicht zuletzt eine kind­ge­rechte Gesamt­passform. Aber entscheidend ist eigentlich nicht, wie wir als Erwachsene und Ideengeber den Schuh finden, sondern, dass er bei den Kindern so gut ankam. Sie waren begeistert. Das war der Beweis, dass LOWA die Idee perfekt und richtig verwirklicht hat.

Im zweiten Schritt kommt nun noch ein Halbschuh mit ins Programm. Worauf haben Sie hier besonders geachtet?

Dr. Micha Bahr: Beim LOW-CUT-Schuh ist der Knöchelhalt genauso wichtig, wie bei einem MID- oder HIGH-CUT-Modell. Nur ist er hier wesentlich schwerer umzu­setzen. Doch ich denke, das ist uns wieder gut gelungen. Bei einem Halbschuh ist der Einsatz­bereich natürlich ein etwas anderer. Daher spielen hier auch Punkte wie das Gewicht eine Rolle. Ansonsten gelten bei dem Schuh die gleichen hohen Ansprüche an die Dämpfung, den Spielraum für die Zehen sowie das Abroll­ver­halten, wie für das MID-CUT-Modell.

Warum ist es so wichtig, dass Schuhe speziell für Kinder entwickelt werden? Könnte man nicht einfach Schuhe für Erwachsene kleiner machen?

Dr. Micha Bahr: Das war jahrelang so in Mode und ist auch weiterhin bei vielen Firmen üblich. Wir sprechen aber von einem Orga­nismus, der sich im Wachstum befindet und der leider auch noch verformbar ist. Die Anfor­de­rungen sind daher völlig andere. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich ein Kind im Gelände viel „ursprüng­licher“ bewegt. Kinder laufen mit deutlich besserem Abroll­ver­halten und verlangen das auch von der Ausrüstung. Zudem ist der Band­apparat weicher und gefährdeter als bei Erwachsenen, weshalb er mehr gestützt werden muss, ohne dabei die Bewe­gungs­freiheit einzu­schränken.

  • Imagefoto mit dem LEDRO GTX MID JUNIOR, LOWA Kids Kampagne 2019
Imagefoto mit dem ARCO GTX® MID JUNIOR, Kids Testing

„Wenn man sich den Kinderschuh LEDRO GTX MID JUNIOR unter diesen Gesichts­punkten genau ansieht, stellt man fest, dass es sich hier wirklich um ein High-End-Produkt handelt.“

Dr. Micha Bahr

Welche Tipps haben Sie für Eltern, wenn es darum geht, die richtigen Schuhe für ihre Kinder zu finden?

Dr. Micha Bahr: Generell gilt bei Kindern natürlich eines ganz besonders: Ein Schuh darf nicht zu groß und nicht zu klein sein. Daher rate ich Eltern immer, die Innensohle aus dem Schuh zu nehmen und das Kind mit dem Fuß darauf­zu­stellen. Hier sollte dann noch vor der Großzehe etwa ein Kinder­daumen breit Platz sein. Dann rate ich dazu, die Sohle des Schuhs einmal zu verwinden, um zu über­prüfen, wie weich diese ist. Wenn diese viel zu leicht „drehbar“ ist, dann kann der Schuh wieder zurück ins Regal. Im Anschluss sollte man das Kind bitten, die Zehen im Schuh zu bewegen. Wenn dies möglich ist, passt der Schuh optimal. Kinder haben nämlich einen Reflex, der in verschiedenen Bewe­gungs­si­tua­tionen auslöst, dass sie ihre Zehen krallen. Damit dies möglich ist, benötigen sie ausreichend Raum in der Zehenbox. Am Ende kommt es dann natürlich auch noch darauf an, ob dem Kind der Schuh gefällt – denn ansonsten hat man als Eltern keine Chance, dass er überhaupt getragen wird.